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Das Jahr 1995


Euch hat der Himmel geschickt

So machten zwei Männer unserer Reisegruppe folgende Erfahrung: Am Donnerstag unserer Evangelisationswoche in Jalta bummeln sie in die Stadt und setzen sich am Lenin-Denkmal auf eine Bank, um auszuruhen. Eine ältere Dame sitzt schon da.
Einer der Reiseteilnehmer, der etwas russisch kann, spricht sie an. Schon nach wenigen Worten laufen ihr Tränen über die Wangen. Seit Tagen hat sie nichts gegessen. Ihre Rente beträgt 370.000 Kupon, was DM 3,70 entspricht. Bewegt von ihrer Geschichte gehen die beiden Männer mit ihr einkaufen. Sie kann nicht fassen, was mit ihr geschieht. Während sich ihre Tasche mit Lebensmitteln füllt, stammelt sie immer wieder: „Euch hat der Himmel geschickt." Wie recht sie doch hat. Schwer bepackt und unendlich glücklich geht sie nach Hause.
Der großen Mehrheit der Menschen dort fehlt der Sinn für ihr Dasein, hat doch das kommunistische System versucht, den Menschen in seinem Einflussbereich den Glauben an Gott auszutreiben. Kein Wunder, dass heute der Aberglaube blüht, und nach dem Zusammenbruch der totalen Diktatur das Land in Korruption und Alkoholismus zu versinken droht. Ein Ostmissionar beobachtete sehr richtig: „Da der christliche Glaube tragfähigen Sinn im Leben und über den Tod hinaus vermittelt, ist Mission wirksamste Aufbauhilfe im Osten!"


Merv und Merla Watson an der Promenade von Jalta

Soldaten der GUS begegnen Jesus
Es war abends acht Uhr. Wir fuhren an der salutierenden Wache vorbei zum Exerzierplatz, der in das milde Licht der untergehenden Abendsonne getaucht war. In die Stille hinein erscholl plötzlich das rhythmische Geräusch von marschierenden Truppen mit eisenbeschlagenen Soldatenstiefeln. Da saßen sie mit kurzgeschorenen Haaren, jeder auf einem kleinen, grauen Hocker. Leicht vorgebeugt in gespannter, aufmerksamer Haltung hörten sie mit ernsten, unbeweglichen Gesichtern die Botschaft des Gottes, der Seine Liebe zu ihnen unter Beweis gestellt hat - eine eigentümliche Atmosphäre.
Ein Sergeant tritt aus der Truppe hervor, geht ans Mikrofon und bekennt seinen Kameraden, dass er Christ sei, die Bibel lese, da ein Mensch ohne ewige Hoffnung nicht leben kann. Ein Unteroffizier, der mit seiner Mütze in der Hand auf der ersten Reihe sitzt, tritt ebenso nach vorn und erzählt den Soldaten, dass er die Evolutionstheorie ausgiebig studiert habe, aber nicht an sie glauben kann, weil sie zu viele Lücken aufweist. Er ermutigt seine Kameraden, von der jetzigen Freiheit Gebrauch zu machen und die Bibel zu lesen. Auch ein russischer Oberst a. D. - er war 600 km angereist, um einen Freund aus der CCM-Gruppe, den er während der Stationierung in Deutschland kennen gelernt hatte, wiederzusehen - berichtet, dass auch er zum Glauben an Jesus Christus als Erlöser gekommen ist.
Beim abschließenden Gebet steht die gesamte Truppe ehrfürchtig auf und im Dunkel der Nacht erheben sich viele Hände zur Übergabe des Lebens an Jesus Christus. Die mitgebrachte Literatur nehmen sie wie eine Kostbarkeit in Empfang und verabschieden sich freudig.



Ein Höhepunkt des Jalta - Einsatzes
(Auszüge aus Berichten verschiedener Reiseteilnehmer)

... war die gottgeschenkte Heilung eines Kindes, das psychisch erkrankt war, unter starken Schlafstörungen litt und dem büschelweise die Haare ausfielen, so dass es eine Teilglatze hatte. Tage nach gemeinsamem Gebet erschien der überglückliche Vater, Mitglied des Generalstabs der russischen Armee, mit dem Sohn Maxim an der Hand. Die Haare waren nachgewachsen, das Kind seelisch vollkommen ausgeglichen.
Aufgrund dieser Erfahrung mit erhörtem Gebet bekannte der ranghohe Offizier bei der Abschlussevangelisation im Tschekow-Theater unerschrocken vor allen Anwesenden seinen neugewonnenen Glauben an einen lebendigen Gott. Aus Dankbarkeit überreichte er Pastor Spitzer einen riesigen Gladiolenstrauß mit den immer wiederkehrenden lauten Worten: „Riesigen Dank von ganzem Herzen!", worauf der Berliner Pastor den Dank gleich weiterleitete an den, der das Wunder vollbracht hatte - Gott selbst..

Früchte eines CCM-Seminars in Russland

Kurz vor Weihnachten erhielten wir erfreuliche Post aus Russland. - Erst vor zwei Jahren waren wir einer Einladung nach St. Petersburg gefolgt, um dort ein interkonfessionelles Seminar für „Dynamisches Gemeindewachstum" durchzuführen. Der Pastor einer kleinen evangelischen Gemeinde war sehr angesprochen und bat uns, in der historischen Stadt Novgorod zu evangelisieren.
Sein Gemeindehaus bestand aus einer am Stadtrand liegenden umgebauten Laube, deshalb hatte er für unsere Veranstaltung den Lehrsaal der Parteihochschule gemietet. Über tausend Menschen fanden sich am Abend ein. Der Chor aus Petersburg gestaltete den musikalischen Rahmen und Pastor Spitzer rief nach seiner Predigt die Menschen zur Lebensübergabe an Jesus Christus auf. Es war ein überwältigender Augenblick, als etwa 600 Menschen durch die Gänge nach vorne strömten. Wir beteten für sie und verteilten die mitgebrachten begehrten Bibeln.
Dann fiel unser Blick auf den jungen Pastor. Sorge füllte sein Gesicht, denn in seine Gemeinderäumlichkeiten passten gerade die Mitglieder - etwa 120 an der Zahl. Wie sollte er diese fragenden Menschen nun alle auffangen?

Das CCM-Seminar und die glaubensvollen Gebete seiner Gemeinde trugen Früchte. Die Vision, ein neues Gemeindezentrum mit 1.000 Sitzplätzen im Stadtkern zu bauen, wurde geboren. In seinem Weihnachtsbrief berichtet der Pastor aus Novgorod vom Fortgang der Geschichte. Nach langem Zögern hat der Stadtrat der Gemeinde ein Grundstück in einer neuen Siedlung Novgorods zugewiesen. Mit dem Bau wurde schon begonnen! Eine Skizze wie auch Bilder der Grundsteinlegung waren zu unserer Freude beigefügt. Nach allen theoretischen Vorträgen wollen wir nun auch praktisch helfen, dass dieses „Haus Christi" bald vollendet werden kann und Scharen von Menschen zum Glauben an den lebendigen Gott finden.
Wo vormals deutsche Truppen Tod und Vernichtung brachten, können Sie und ich jetzt Boten des Friedens sein, und mit diesem Gotteshaus ein bleibendes Zeichen der Versöhnung und Freundschaft errichten.

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